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The Tourist – unvorhergesehen vorhergesehen

Category : Gesehen

Ich bin eigentlich sehr Spoilerfest, das heißt, dass ich viel Spaß an Filmen habe, auch dann, wenn man mir erzählt hat was passiert. Selbst mit ganzen Beschreibungen von Szenen komme ich gut zurecht und auch das tragische Finale bleibt für mich spannend, wenn ich weiß, wer sterben wird. Aber in letzter Zeit hat sich da so ein Satz eingeschlichen der schlimmer ist als jeder direkter Spoiler: “Der Film hat eine unerwartete Wendung

Ich analysiere Filme schon beim ersten anschauen sehr genau, bemerke Andeutungen und Parallelen sehr schnell. So habe ich meinen Freundeskreis schon vor Jahren damit überrascht, dass ich “The Fightclub” bereits bei der Flugzeugszene decodiert hatte. Doch Fightclub war da durchaus anspruchsvoll, ich brauchte verdammt lange bis ich ausreichend Indizien für meine These gefunden hatte und sicher war ich mir erst in letzten Drittel des Films.

Seit neustem führt aber dieser eine, simple Satz dazu, dass ich selbst von recht guten Filmen enttäuscht bin. So erging es mir mit “The Tourist” einem der neueren Johnny Depp Filme. Er wurde mir sehr empfohlen, mit der Aussage: Der hat eine sehr unerwartete Wendung!

Natürlich, mit so einer Ankündigung geht man anders an einen Film ran, aber Leute, ich bin eine kleine Germanistin! Wie ist es möglich, dass ich die Wendungen großer Roman- und Drehbuchautoren, umgesetzt von großen Regisseuren und Weltstars bereits im ersten Drittel durchschaue? Ich kann nicht so gut sein, also müssen die doch irgendwie schlecht sein, oder? Ist die Raffinesse da wirklich abhanden gekommen? Ich bin mir absolut sicher, dass ich die Wendung von Der Clou (1973) nicht vorhergesehen habe und wohl auch nie hätte und auch da war ich vorgewarnt.

Die Sache mit dem “suchen” nach Hinweisen auf die “unerwartete” Wendung ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Der Hinweis auf das “da stimmt etwas nicht” ist natürlich schon sehr Richtungsweisend und verändert die Sicht auf den ganzen Film und natürlich macht es tierisch Spaß den Film nach Hinweisen zu durchsuchen und Theorien aufzustellen. Aber wenn man dann mit dem ersten Tipp sofort Recht hat … irgendwie entwertet das den Film dann doch.

Aber genug gejammert. The Tourist ist ein wirklich schöner und unterhaltsammer Streifen. Weder von den spezialeffekten noch von der Story irgendwie groß, aber er hat eine wundervolle Stimmung von Glammour, zeichnet ein wunderschönes Bild von Venedig und hat mit Angelina Jolie als Elise Clifton-Ward und mit Johnny Depp als den Touristen eine perfekte Besetzung. Schöne Szenen, gutes Schauspiel und eine tolle Stimmung. Als Unterhaltungsfilm für zwischendurch unglaublich empfehlenswert und wenn man nicht zu sehr darauf achtet überrascht er mit einer unerwarteten Wendung :-)

Ich kann die Jagd nach dem ominösen Mr. Alexander Pearce nur empfehlen, auch wenn ich ihn nicht unbedingt als Thriller sehen würde, der Film ist eher mit dem schlichten Wort: “Agentenstreifen” zu beschreiben im glamourösen Stil der 40er. nur bunter.

Vier von fünf Punkten.

Juli Zeh – Spieltrieb

1

Category : Gelesen

Ein Buch, das intelligenten Menschen verklickern möchte sie seien dumm und dabei selbst dümmer nicht sein könnte.

Auf den ersten Blick liest sich Spieltrieb sehr flüssig und wirkt anregend, mit den ausgefallenen Bildern und sprachlichen wie literarischen Figuren. Das diese meistens schief, unangemessen, übertrieben oder einfach nur falsch und unangebracht sind fällt erst auf, wenn man den Mut fasst, sich dem Gewicht des gedruckten und mit ISBN versehenen Wortes zu widersetzen.

Ich schlage an einer beliebigen Seite auf:

“An der langen Seite des Raumes stand eine Phalanx leerer Bierflaschen in Reih und Glied wie braune Glassoldaten.” Zuerst eine Metapher mit der Phalanx, ist ja noch schön und gut, und weil der Leeser doof ist ergänzt man das sie in Rhei und Glied standen – ein geflügeltes Wort – Schon mal eine Phalanx erlebt die kreuz und quer steht? Aber nein, wir haben diesen Satz noch nicht genug überladen nun kommt auch noch ein Vergleich der genau in die selbe Kerbe schlägt: Wie braune Glassoldaten. Das ist doch der Höhepunkt literarischer Redundanz, man beschreibe ein unwichtiges Detail in umständlichen literarischen Figuren.

Gleich auf der gegenüberliegenden Steite wirft eine Lampe einen vollmondförmigen Schein auf eine Wand – vollmondförmig, also rund, aber nein, rund ist ja viel zu schlicht für ein Buch in dem sich Dinge in die Höhe drechseln können.

Den Höhepunkt dieses nur drei Seiten langen Ausschnitts bildet aber der Satz: “Der Mond steckte im Himmel fest wie ein Stück Falschgeld im Zigarettenautomaten, oxidierte in Minutenschnelle und war plötzlich verschwunden, heruntergebröselt oder doch noch vom Nachthimmel geschluckt.”

Ja, über diesen Satz kann man Minutenlang nachdenken, nur dass da keinerlei Katharsis folgt, weder eine intellektuelle durch das Begreifen, noch eine seelische durch künstlerisches Empfinden. Dieser Satz ist einfach nur Nonsens und dabei noch nicht mal ästhetisch.

Dieser Stil ist keineswegs innovativ, wie z.B. die verquere Sprache vom Herr Lehmann Autor Sven Regner, sondern ein wahlloses Potpourri von sprachlichen Mitteln, deren Verwendung keinem Muster und keiner Absicht folgt, gewürzt wird das ganze mit einer verklemmten Vulgarität, die Sex und Sexualität zwar zum Thema haben will, sich aber nicht traut dies offen zu sagen und einer pseudophilosophischen Seelenqual unrealistischer Figuren, Garniert mit einem Namedropping aus Literatur und Weltgeschehen.

Das man sich als Leser dieser Sprache gegenüber verunsichert fühlt, liegt auch nicht an irgendeiner Raffinesse, sondern einzig und allein an dem zu häufig und zu markiert bis falsch verwendetem Konjunktiv und den unsicher gesetzten Präpositionen. Vielleicht hängt die unkonventionelle Grammatik mit dem juristischen Hintergrund der Autorin zusammen, oder vielleicht bin ich auch einfach zu sehr davon überzeugt, dass sich Schriftsprache an die Regeln der Hochsprache halten sollte und erkenne daher die jugendnahe Qualität des Stils nicht. Auf jeden Fall wurde das Buch anstrengend, nachdem man das System erkannte und nicht mehr unbewusst über die entsprechenden Stellen hinweglesen konnte.

Nun zum Inhalt der genauso wenig überzeugte. “Sex sells” heißt es ja, nur sollte man auch etwas zum verkaufen haben. Spieltrieb provoziert mit Extrema ohne besonderen Charme. Allein schon die Namensauswahl ist verdächtig: Die Geschichte spielt 2002 in der Gruppe der 14 bis 18 jährigen, doch Frau Zeh versucht uns Namen wie Ada, Alev, Lola und Grit zu verkaufen, gerade einmal mit Johanna kommen wir in die Top 50 der Geburtsjahre 1986 bis 1990. Es soll ja eben etwas besonderes sein! So wirken dann auch die Hauptfiguren und die gesamte Handlung.

Der Roman ist unheimlich konstruiert, bereits in den ersten Kapiteln entsteht das Gefühl, dass da etwas Großes aufgebaut werden soll, nur dass man beim besten Willen nicht erkennen kann, was da so groß sein soll. Nach vierzig Seiten und mehreren Ausflügen in die extremen Vergangenheiten, extremer Charaktere mit extremen Schicksalen und ohne einen roten Faden, an dem man sich festhalten könnte, ist der erste Punkt erreicht an dem man das Buch weglegen möchte um sich relevanter Literatur zuzuwenden.

Die einzelnen Szenen sind unrealistisch und wirken fehl am Platz, enthalten zu extreme Elemente, die ein zu verzerrtes und unglaubwürdiges Bild ergeben und das obwohl der Grundton ständig die Alltäglichkeit und Normalität betont. Vor allem aber fehlt das Gerüst, das all den Ballast aus Moral, Sozialkritik, Meinung und sprachlicher Bemühung tragen könnte. Da ist nichts, dem das Buch entgegen zu streben schiene, trotz der zum Teil haarsträubenden Ereignisse fehlt der Fortschritt, der in irgendeiner Weise Neugier auf die nächste Seite oder gar Spannung aufbauen könnte. Das Buch dümpelt auf einer künstlich aufgebauten, extremen Welle in einem völlig windstillen Meer vor sich hin. Die einzelnen Szenen sind mit extra dafür montierten Hacken aneinander gehängt, um so etwas wie Zusammengehörigkeit zu simulieren und in all dem stecken hunderte von Pfeilen die den Leser auf die tiefere Bedeutung hinter den Dingen hinweisen sollen, doch in Wirklichkeit nur in die Leere zeigen.

Hinter der Hauptfigur “Ada” steht keine tiefere oder anspruchsvolle Philosophie, sie aggiert in ihrem Umfeld nicht, sie ist nur da, wie ein Prellbock gegen den man Gedanken und Ideen einer Autorinstanz schleudert und glaubt dadurch Bedeutung zu schaffen, weil man beschwört, es würde in einem realen Umfeld geschehen. Ein Beispiel für die Unzusammengehörigkeit der einzelnen Handlungselemente ist die relativ weit am Anfang geschilderte Auseinandersetzung zwischen Johanna und Ada. Die zwei Figuren werden als völlige Gegensätze dargestellt die miteinander nichts zutun haben und auch nichts zutun haben wollen. Ada, die Dummheit hasst, hält Johanna für etwas ähnliches wie eine Amöbe, trotzdem befindet sie sich selbst in den Pausen in ihrer Nähe, hört ihren Gesprächen genau genug zu, um etwas zu erwidern und erwidert auch tatsächlich etwas, sie geht sogar auf Johannas Äußerungen im Unterricht ein, nur um sich eine viel zu übertriebene und abstruse Racheaktion einzufangen, über die sie dann überlegen hinweggehen kann, jedoch erst, nachdem sie sich bei einem geradezu Wildfremden ausgeheult hat – Immerhin braucht man ja einen Aufhänger für die nächste Szene.

Spieltrieb ist ein Roman, der seine Leser verunsichern will und dies auch schafft, jedoch nicht durch Essenz, sondern durch Finten. Pseudo kritisch, pseudo literarisch und pseudo philosophisch kommt der Text daher und hofft darauf, dass der Leser nicht selbstsicher genug ist, ihn als das zu entlarven was er in Wirklichkeit ist, nämlich hochgestochene Klugscheißerei.

Fazit: Verschwendetes Papier!

“Der Code der Götter” von William Dietrich

Category : Gelesen

Vor Weihnachten verbrachte ich mehrere Stunde auf der Suche nach historischen Romanen, die nicht das Schicksal einer starken Frau im Mittelalter beschreiben, die ihren Weg macht und die große Liebe findet, und stellte fest, dass das gar nicht so einfach ist.

Meine Funde waren dann auch recht mager und bescheiden. Einer davon war noch nicht einmal wirklich historisch, aber der Ansatz reizte mich. “Der Code der Götter” von William Dietrich spielt 1801 im noch recht unerforschten Westen der USA und erzählt die Suche des Elektrizitätspioniers Ethan Gage und des Norwegers Magnus Blodhammer nach Thors legendärem Hammer, den Templer im 13. Jhr. in die Neue Welt gebracht haben sollen.

Die Geschichte ist simpel, immer wieder unterbrochen durch Ethans Erinnerungen an seine Abenteuer aus Dietrichs vorangegangenen Werken, die sich aber gut einfügten und trotz gewisser Unvollständigkeit unterhalten und den linearen, leicht paranoiden Verlauf der aktuellen Handlung auflockern. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive von Ethan Gage, einem Abenteurer und Schürzenjäger. Der Stil ist locker und flüssig, mit netten sarkastischen und selbstironischen Sprüchen gespickt. Was über die flache Handlung hinwegtröstet und gut unterhält.

Sehr spannend ist die völlig unwesternhafte Darstellung des Westens der USA, das noch weitgehend unerforschte Land wird als Ansammlung von Briten, Franzosen und mehr oder minder degenerierten Indianern dargestellt und nicht als etwas US-Amerikanisches, in dem man nach Träumen, Freiheit oder Ruhm sucht. Ethan Gage und seine Gefährten ziehen nicht in Planwagen nach Westen, sondern in Kanus und sie werden nicht von biederen Siedlern begleitet, sondern von moralisch fraglichen Händlern, Geschäftsleuten und Adeligen. Zum Helden wird der spielsüchtige Ethan auch eher durch Zufall und Glück, was ihm aber vollkommen bewusst ist und den Charakter so unendlich charmant macht.

Nach einem Reisebericht, der die beiden Hauptfiguren von Frankreich in den tiefen Westen führt und aus zig aneinander gereihten, unterhaltsamen Handlungsszenen besteht, erreicht die um zwei Indianerinnen und einen Franzosen angereicherte Truppe ihr Ziel: einen riesigen, elektrizitätbetriebenen Baum. Das Finale ist fulminant, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich und aussagekräftig, der Leser bekommt keine richtigen Antworten, aber eigentlich sind diese auch egal, weil man die mit Geheimorganisationen und Verschwörungen gespickte Hintergrundhandlung eh nie richtig ernst genommen hat.

Das Buch basiert einzig und allein auf einem Charakter, Ethan Gage, seiner Sicht der Dinge und seinem subjektiven Erleben der Ereignisse und wie Ethan meistens selbst nicht weiß, wie er in die aktuelle Situation geraten ist, so ist es dem Leser auch egal. Schwerwiegende logische Fehler in der Handlung oder den Beschreibungen gibt es nicht, alles ist verständlich und klar und man kann sich von der Geschichte ruhig treiben lassen ohne nach einem tieferen Leseempfinden zu suchen. Der Roman lässt sich locker in einer Woche herunterlesen und das einzige, was längerfristig von ihm bleibt ist die Erinnerung einige Tage lang gut unterhalten worden zu sein.

Für die Geschichte gibt es daher drei von fünf Punkten. Trivialliteratur, die nicht leugnet welche zu sein, aber den Anspruch hat, das Handwerk des Erzählens zu beherrschen.

Weltbild bekommt für die Auflage jedoch eine glatte 6! Der deutsche Text ist nur mangelhaft lektoriert und enthält unzählige Vertipper. Außerdem beginnen die Kapitel mal mit einer Initiale mal wieder nicht. Dass Weltbild nicht gerade Weltliteratur verlegt, ist ja klar, aber was sich Verlag schimpft, sollte zumindest die Grundfunktionen eines solchen übernehmen!

Das Twitter-Buch

Category : Gelesen

Manchmal fühle ich mich echt alt. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als ich zu den Leuten gehört habe, die über die neuste Technik bescheid wussten und die Rechner und Internetseiten selbst gebaut haben. Heute verzweifle ich, wenn ich den günstigsten Arbeitsspeicher auswählen soll und mein Blick wird ganz undeutlich, wenn Leute von mir verlangen mich bei Facebook anzumelden. Was mich jedoch besonders verfolgt ist Twitter, jetzt verlangen schon Geschäftspartner, dass ich twittern soll, dabei ist für mich das öffentliche versenden von 140-Zeichen Schnippseln per Internetseite eher ein technischer Rückschritt als Fortschrit ich gehörte immerhin zu den Leuten die 2002 gejubelt haben, als man endlich nicht mehr darauf achten musste welchen Variablentyp man für Eingabefelder auswählte, weil die Preise für Webspeicherplatz in den Keller gingen und jetzt soll ich wieder Abkürzen?

Ja, mir ist es auch aufgefallen. Das klingt wie das Gejammer alter Leute, die zu eingerostet oder faul sind um mit der Zeit zu gehen, also bin ich zu Twitter um mir das ganze mal anzuschauen: Ich war kurz davor mir Stricknadeln und einen Schaukelstuhl zu besorgen. So als Dummy versteht man da kein Wort, man findet nichts und … von wegen “Following”, folgen kann ich da niemandem und nichts!

Jetzt sitze ich mit diesem kleinen Werk vor dem Rechner und versuche es noch einmal:

Das Twitter-Buch von Tim O’Reilly und Sarah Milstein übersetzt von Jörgen W. Lang

Broschiert: 280 Seiten

Verlag: O’Reilly; Auflage: 1 (28. August 2009)

ISBN-10: 3897219425

ISBN-13: 978-3897219427

Es ist zwar die alte Auflage, aber ich war nicht bereit Geld dafür auszugeben und unsere Stadtbücherei verfügt nur über SEHR wenige Bücher zu aktuellen, technischen Themen.

Das Buch liest sich sehr schnell, es funktioniert ja auch nach einem Bilderbuchprinzip, links gibt es eine schlichte, markante Abbildung und rechts etwas erklärenden Text in großer, serifenloser Schrift. Da kann man sich schon irgendwie doof vorkommen, vor allem wenn man eingestehen muss auf die Infos dieses Buches angewiesen zu sein. Das Buch ist für Idioten geschrieben und damit fiel ich zu 100% in die angesprochene Leserschaft. Man sollte mich hier nicht falsch verstehen, das Buch ist nicht schlecht oder dumm, es geht wirklich mit der Einstellung ins Feld, dass der Leser mit Rechnern umgehen kann, nur mit Twitter nicht zurecht kommt, so werden Techniken und Begriffe wie URL oder RSS, einfach erwähnt ohne erklärt zu werden. Trotzdem kratzt es am Stolz, wenn man sich erklären lassen muss, das ein “Retweet” die moderne, coole und angesehene Form einer Weiterleitung ist.

Der Satz der für mich am besten zutraf fand sich übrigens auf Seite 55: Wenn Sie partout nicht verstehen, was der ganze Wirbel soll, [...] Ja, das Buch liegt auf meiner Wellenlänge, auch wenn mein Stolz mit jeder Seite mehr blauer Flecke bekommt.

An dieser Stelle ein kleiner Einwurf an die wenigen Twitterer die mir heute bei meinem Einstieg zugesehen haben: An der Geschwindigkeit meiner Änderungen im Profil, Tweet-Einträgen und co, könnt ihr meine Lesegeschwindigkeit und Tippgeschwindigkeit ableiten, denn während ich Lese versuche ich Twitter zu nutzen und schreibe diesen Blogeintrag ;-)

[Stunden später]

Es ist wirklich faszinierend, im Grunde ist Twitter ein neu erfundenes Rad. Die Funktionen sind minimalistisch und sipel, während ihre Anwendung und Nutzung eine gewisse Komplexität entwickelt die wohl nur mit Anwendung und Übung überwunden werden kann. Ein ganz merkwürdiges Anwendergefühl. Folgen kann ich immer noch nicht, den englischsprachigen “Fachbeiträgen” sowieso nicht, ich versuche es mal mit ein paar deutschsprachigen Leuten und dem Rat ein paar Wochen lang täglich mitzulesen. Momentan sehne ich mich nach Betreff-Zeilen, Baumstrukturen und Paginierungen. Ein gigantische HÄ? hängt über meinem Kopf und ich schaffe es nicht mich von dem Versuch zu lösen den “ursprünglichen Gedanken” zu suchen. Und irgendwie vermittelt mir meine aktuelle Handlektüre das Gefühl, dass ich mit der Überflut von Input, das kaum dieses Names wert ist, nicht allein bin, auf jeder dritten Seite werde ich mit URLs zu Diensten versorgt, die helfen sollen das Tweet Chaos zu ordnen. Ich bin mir noch nicht sicher ob ich das beruhigend, beängstigend oder bescheuert finden soll.

So, halbzeit, Seite 130 und meine Linkliste an Zusatzdiensten enthält 15 Links. Das ist eigentlich ein geniales Beispiel für das “OpenSource-Prinzip” mal anders, eine Idee schart eine Community um sich und während man sich auf die Grundfunktion konzentriert bauen andere Leute die PlugIns ein.

“Kapitel 4 – Informationen und Ideen weitergeben” war spannend. So langsam erschließt sich mir ein Muster hinter dem Chaos. – 121 Zeichen, könnte man glatt twittern.

Inzwischen merke ich, wie die intensive Beschäftigung mit diesem seltsamen System namens Twitter sich auf meinen Schreibstil auswirkt, meine Gedanken teilen sich immer mehr in kleinere Bruchstücke und ich bilde mir ein mit 140 Zeichen etwas aussagen zu können. Zwar waren meine ersten Versuche jetzt nicht gerade geistreich, aber ich erkenne einen Unterhaltungs- und Informationswert hinter den kontextlosen Schnippseln.

Das ist wohl auch die didaktische Idee hinter diesem bilderbuchartigen Werk, wenn man über etwas sprechen will, was auf kurzen spontanen Ideen basiert, kann man keine langen und elaborierten Erklärungen liefern, man muss den Gedanken der Kürze vermitteln und dem hilflosen Leser zeigen, dass Gedanken, Ideen und Informationen verständlich sein können, auch wenn sie nicht ausführlich sind. Für das vollständige Lesen des Buches habe ich gerade einmal 6 Stunden gebraucht und dabei auch noch diesen Artikel und ein paar Tweets geschrieben und gelesen. Meine aus dem Buch gezogenen Notizen für später umfassen gerade einmal eine locker beschriebene A4 Seite und bestehen hauptsächlich aus Links die ich mir später genauer ansehen möchte. Ein Twitterprofi bin ich immer noch nicht, aber ich habe das Konzept begriffen und glaube es nutzen zu können, das HÄ? ist immer noch da, aber nicht mehr blinkend und rotierend, mehr kann man von einem Buch über eine unendlich dynamische und gigantische Community und Technik nicht erwarten, im Gegenteil, es war genau das, was ich mir erhofft habe, also auf auf, mal sehen ob aus einem miesen Blogger ein grottiger Twitterer werden kann.

DVDs und BMWs

Category : Kommentiert

Das “Don’t make me steal”-Projekt hat eine hitzige Diskussion ausgelöst, eine dieser Diskussionen wurde mit dem Argument:

Zitat: “BMW sollte die Preise für den X5 endlich mal senken, damit nicht so viele Menschen zu Dieben werden.” – von feierabend bei golem.de – (zum ganzen Beitrag) begonnen.

Wie kommt man auf so dumme Vergleiche?

Wie kann man eine Luxusversion einer umfassenden und vielseitigen Produktpalette mit einem ganzen Wirtschaftszweig vergleichen? Wenn ich mir keinen X5 leisten kann, kaufe ich mir einen gebrauchten Golf 2er, der die Hauptleistung – Fortbewegung – genauso erfüllt wie der BMW. Wenn ich mir kein Auto erlauben kann, fahre ich Bus oder Bahn, da zahle ich nur für die tatsächliche Fahrt. Ich habe ein breites und vielseitiges Angebot, aus dem ich wählen kann.

Bei Filmen habe ich ja auch kein Problem damit, auf die Luxusausgabe vom Herrn der Ringe mit 60 Stunden Bonusmaterial, Hochglanzfotobuch und fußgeknöppelten Buchstützen zu verzichten, da würde ich nicht auf die Idee kommen, sie zu klauen. Aber wenn ich aufgrund von fehlenden Transportmöglichkeiten dazu gezwungen wäre, überall zufuß hingehen zu müssen, wäre ich genauso auf den Barrikaden, wie jetzt bei der Filmproblematik!

Es geht nicht darum, dass man doch ja!-Milch statt Landliebe trinken soll, es geht darum, nicht zu verdursten! – Ja, das war auch wieder nur Polemik. Doch da gibt es noch ein anderes Argument, das diesen Vergleich ad Absurdum zieht.

Wenn ich in ein Autohaus gehe und mein Interesse für den BMW bekunde, springen fünf Verkäufer um mich herum. Passt mir die Farbe der Sitzbezüge nicht, bekomme ich schier unendliche Musterbücher mit Farben, Stoffen und Formen, ich kann handeln, Zusatzfunktionen und Angebote verlangen, ich habe Garantien und Serviceversprechen, ich kann mit dem Auto eine Probefahrt machen. Ich zahle nicht für das nackte Produkt, sondern für eine umfassende Leistung. Wenn mir das Auto nicht gefällt, kann ich es zurückgeben.

Bei Filmen ist das nicht der Fall! Ich hätte gerne die ersten drei Staffeln Buffy in überarbeiteter Bild- und Tonqualität (Standardvorgehen bei älteren Produktionen). Kann ich mir lange wünschen, außer ich bezahle die ganze Überarbeitung selbst (Beim BMW bezahle ich ja auch nur den Aufpreis auf die Klimaanlage nicht ihre Entwicklung!). Ich hätte gerne Hüllen, aus denen ich die DVDs herauslösen kann, ohne sie fast zu brechen oder zumindest ein Serviceversprechen, dass mir die DVDs ersetzt werden, sollten sie beim Herausnehmen brechen. Ich möchte das Geld für die Kinokarte zurück, wenn ich mitten im Film das Kino verlasse, weil mir das “Modell” nicht gefällt. Aber nein, wenn ich einen Film “probefahren” möchte, bin ich sofort ein Raubkopierer und werde auf die psychologisch zusammengeschnittenen Werbefilmchen namens Trailer verwiesen! Schon einmal erlebt, dass ein Autoverkäufer einen Kunden auf das Werbevideo verweist, wenn dieser eine Probefahrt haben möchte? Aber das wichtigste: Bei Filmen habe ich kein Rückgaberecht! Das sorgt dafür, dass digitale Medien mit KEINEM anderen Produkt verglichen werden können! Ich darf einen Pullover, wenn er mir nicht gefällt, zurückgeben, aber ich kann keinen Film zurückgeben, nur weil er mies war! Und dabei ist auch dieser Vergleich holprig, weil die Qualität eines Films nun einmal über das Gefallen läuft, wenn ich also einen Film wegen einer irrwitzigen Story, schlechten Schauspielern, indiskutablem Bild und miesem Ton zurückgeben möchte, ist es so, als würde ich einen Pullover zurückgeben, weil er sich beim ersten Waschen in Einzelteile aufgelöst hat. Tue ich das bei einem Pullover, kriechen die Angestellten des Bekleidungsgeschäfts vor mir auf den Knien, während die Filmindustrie nur lauthals lacht!

Nächstes Argument: Ein BMW passt in eine Garage und wenn nicht, kann man ihn immer noch auf der Straße parken, man kann mit ihm ins Ausland fahren und die Autobahn nutzen wie auch die Landstraße, man darf ihn verleihen und Leute mitnehmen. Wenn ein Taxifahrer einen BMW kauft, zahlt er sogar weniger, Autoverleiher genauso, will ich mit dem Auto Geld verdienen, zahle ich dafür WENIGER! Wie ist es bei DVDs? – Je nach Anbieter brauche ich dieses oder jenes Abspielgerät, im Ausland funktionieren sie nicht, ich darf sie nur mit x Freunden teilen und nicht kommerziell nutzen (z.B. verleihen – dafür muss ich eine deutlich teurere Lizenz bezahlen). Wo sind da die Parallelen?

Doch das wichtigste Argument, das den Vergleich als völligen Blödsinn hinstellt, ist das offensichtlichste: Wenn ich einen BMW stehle, fehlt irgendwo ein BMW. Wenn ich eine Filmdatei herunterlade, gibt es nur eine Kopie mehr, sie fehlt nirgends. Diese Tatsache ist es, die die Grenze bei digitalen Medien prägt. Wenn es einen Ort gäbe, an dem sich BMWs klonen, ohne Kosten oder Schaden zu verursachen, bist du dir dann sicher, dass du nicht zugreifen würdest?

Fakt ist, dass ich für schlechte Filme, in schlechter Aufnahmequalität und mieser Aufmachung NIE Geld bezahlen werde und wenn ich, um dies zu beurteilen, mich als Raubkopierer bezeichnen lassen muss, ist es mir recht. Ich zahle nur für das, was ich geprüft habe: Ich probiere Kleidung an, bevor ich sie kaufe, ich teste Technik und gebe sie zurück, wenn sie ihren Zweck nicht erfüllt, ich lese Bücher im Laden an, bevor ich sie kaufe und solange mir die Filmindustrie offiziell diese Möglichkeit bei Filmen verwehrt, werde ich andere Mittel und Wege nutzen!

Und was den wirtschaftlichen Schaden angeht: Wenn die Filmindustrie morgen das Internet verbieten würde, würde ich einfach keine Filme mehr kaufen, gar keine! Jetzt da ich sie “illegal” testen kann, kaufe ich welche.

Don’t Make Me Steal

Category : Kommentiert

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an meinen Artiken von August “Selbstgemachte Kriminelle” oder den Kommentar, in dem angezweifelt wurde, dass Raubkopierer ein legales Download-Angebot nutzen würden. Seit gestern ist nun ein Projekt online, durch das eben dieses kriminelle Pack von Dieben und Gaunern vor der Filmindustrie auf die Knie fällt und bittet: “Don’t make me steal” (Zwing mich nicht zu stehlen)

Innerhalb von einem Tag haben über 2000 Menschen den folgenden Schwur durch ihre Zustimmung geleistet: “I PROMISE never to illegally download a movie if there was a legal alternative following the criteria on this page” (Ich verspreche nie einen Film illegal runter zu laden, wenn es eine lagale Alternative gibt, die den Bedingungen auf dieser Seite entspricht.)

Die Bedingungen sprechen mir – und offenbar vielen anderen – aus der Seele. Sie enthalten eigentlich elementare Dinge wie den Zugang zu allen Sprachversionen, Optionen zum Untertitelupload, angemessene Preise und Unabhängigkeit von proprietärer Software. Durch dieses Projekt fühle ich mich in meiner Einschätzung der Lage sehr bestätigt und hoffe, dass das Projekt noch umfassenden Zuspruch und Aufmerksamkeit bekommt, damit es die Verantwortlichen vielleicht ein wenig zum Umdenken bewegt.

Daher lieber Leser, noch einmal der Link:

www.dontmakemesteal.com

und bitte durch Twitter oder Facebook unterstützen und über Blogs verbreiten!

DVD Qualitäten und wieso sie kein Geld wert sind

Category : Kommentiert

Das Thema hatten wir ja schon so oft. Alle regen sich auf, dass so viel Material raubkopiert wird, dabei sind die Produkte auf dem Markt SO hochwärtig und jeden Euro wert.

Ja, meine Damen und Herren, das war Sarkasmus!

Ich bin ja ein Serienjunkie und vor allem meine Lieblinge will ich als Original haben. Leider ist das meistens sehr schwer, weil irgend ein krankes Hirn auf die Idee gekommen ist, Serien in halben Staffeln zu verkaufen. Ich verkaufe ja auch keine halben Bücher! Wobei bei der heutigen Sucht zur Reihe … Nein, selbst der mieseste Abzocke-Autor schreibt für jeden Teil seiner Octologie ein Finale, das man als solches erkennen kann und bricht nicht mitten drin ab.

So kam es also, dass ich über Jahre hinweg meine Buffy-Reihe nicht vervollständigen konnte, weil gewisse halbe Staffeln ausverkauft waren! Jetzt kommt die Rettung, eine Komplettbox die NICHT 160 Euro kostet sondern realisierbare 70. Das macht knappe 2 Euro pro DVD und etwa 50 cent pro Folge, ist OK. Abzocke ist es trotzdem. Den diese ach so tolle KOMPLETTBOX ist keineswegs als eine Einheit konzipiert und auch nicht als eine solche erkennbar. Man hat einfach nur alle DVDs so wie sie bisher waren in eine Kiste gesteckt, das nenne ich nicht Zusammengehörend!

Die erste Staffel von Buffy kam 1997 raus, es ist unglaublich, wie schlecht die Bild und Tonqualität dieser Staffel ist, immerhin war es eine Testproduktion, aber merkwürdig, obwohl die Serie mit 7 Staffeln, einem SpinOff, mehreren Comicreihen und zich Wiederholungen ein horender Erfolg war und unglaubliche Kohle eingespielt hat, fand es keiner notwendig das Material mal aufzubereiten, es ist ja nicht so, als ob das nicht ginge!

Dann die Menüs, das die Menüs auf DVDs echt mies sein können weiß man inzwischen, aber wieso habe ich in einer Komplettbox, die mit gleichen Covern und gleichem DVD Aufdruck Einheitlichkeit vorgaukelt in jeder Staffel ein anderes Menü? Das ist grässlich! Das die Episoden weder durchnummeriert noch ins Deutsche übersetzt sind – wie übrigens kein Teil des Menüs – ist ja nur marginal! Die Nutzerfreundlichkeit lässt auch zu wünschen übrig, wieso zum Teufel muss ich die Episode erst anwählen, in ein geradezu inhaltsloses Menü kommen in dem ich erneut die Sprache einstellen kann, um dann wieder zu sagen: Ja, ich will die Folge jetzt wirklich sehen! Wäre es nicht einfacher, wenn man diese allgemeinen Einstellungen – die jede Episode nun einmal hat – voran stellt? Immerhin wähle ich die Sprache in der ich die Serie sehen möchte nur einmal, auch wenn ich nicht ausschließen möchte, auf die ausgefallene Idee zu kommen Folge 1 in Deutsch, Folge 2 auf Englisch und Folge 3 wieder auf Deutsch sehen zu wollen, für solche Spiranzien zurück gehen zu müssen ist mir lieber als beim simplen geradeaus durchschauen für jede Folge x-Klicks zu verschwenden.

Nun zur qualitativen Verpackung des Materials. Wieso haben DVDs eigentlich keine Garantie? Vielleicht würde das die Hersteller dazu verleiten, bei der Konzeption der Hüllen nicht nur an Material- und Platzkosten zu denken, sondern auch an die Haltbarkeit der DVDs, das man die Silberlinge bei dieser merkwürdigen Spindeltechnik nicht beim ersten entnehmen zerbricht ist ein wahres Wunder und nur mit extremer Vorsicht zu realisieren!

Alles in allem finde ich den Kauf mehr als unzufriedenstellend, 70 Euro um den nackten Inhalt zu haben, denn weder Artwork der Box, noch der Hüllen oder gar der DVDs, noch das Bonusmaterial oder die Aufarbeitung sind das Geld wert.

Book of Eli oder Mal wieder Apokalypse

Category : Gesehen

Manchmal frage ich mich, welcher Goblin unsere Ausleihliste bei LoveFilm zusammenstellt. Da kommen Filme rein, von denen ich noch nie was gehört habe und mich nicht erinnern kann, woher ich sie habe. Book of Eli ist so ein Werk. Aber da haben wir mal wieder Glück gehabt, trotz der religiösen Botschaft des Films war er verdammt gut gemacht und rutschte nicht in irgendwelche Klischees oder Vorschlaghammer-Moral ab.

The Book of Eli unter der Regie der Hughes Brothers mit Denzel Washington und Gary Oldman in den Hauptrollen kam Februar 2010 in die Kinos. Er erhielt einige gute Kritiken und ein paar Nominierungen, aber erfolgreich ist nun mal anders.

Die Handlung ist puristisch: Der Held Eli versucht 30 Jahre nach dem apokalyptischen Krieg die letzte erhaltene Bibel nach Westen zu bringen, wo sie vervielfältigt und zum Guten genutzt werden soll. Unterwegs muss er sich durch die gesetz- und morallose postapokalyptische Welt schlagen und wird von einem Stadtherren verfolgt, der das Wort Gottes nutzen möchte, um die aufbegehrende Bevölkerung seiner kleinen Siedlung unter Kontrolle zu bekommen. Von diesem religiösen Hintergrund bekommt man in dem wundervoll stimmungsvollen Film aber nur am Rande etwas mit. Im Vordergrund steht ein Mann mit überwältigenden Kampffähigkeiten und einer geradezu beängstigenden Seelenruhe.

Was diesen Film so bemerkenswert macht, sind seine Bilder, allesamt in grau-braun gehalten. Der Film arbeitet mit wunderschönen Schattenspielen und Lichteffekten, wodurch das von der Sonne verbrannte Land und die Trostlosigkeit der nach dem Krieg übrig gebliebenden Einöde sehr gut zur Geltung kommen. Diese Kamera und Bildwahl erlaubt auch die durchaus grausamen Kampf- und Todesszenen, ohne zu Splatter abzurutschen.

Der Film ist mitreißend, ohne spannend zu sein, die Wendungen sind logisch aber unerwartet, die Bilder immer wieder beeindruckend, die Dialoge sind sparsam aber sehr gut gestaltet und die Texte sehr aussagekräftig. Alles in allem ein gelungener Film.

DVD-Report: Die DVD ist bescheiden ausgestattet und hat grässliche Tonprobleme, der gesprochene Text ist viel zu leise, ähnlich wie die sparsame Filmmusik – dafür ist die Effektspur viel zu laut und schreckt den Zuschauer zu oft unangebracht auf. Wieder ein guter Film, bei dem sich der DVD-Kauf nicht lohnt.

Bei der Gelegenheit: Der einzige Kritikpunkt ist hier die religiös-spirituelle Konstruktion. Zwar stört es nicht, aber die Botschaft ist … nun ja, 2000 Jahre alt! Auch wenn sie wahr sein mag, in der Unterhaltungsbranche hätte ich gerne mehr Kreativität.

Wir erinnerten uns bei diesem Film an “Postman” von und mit Kevin Costner, der Festlandversion von Waterworld, die hundert mal besser war aber ungemein floppte. Auch dort geht es um Hoffnung nach einer apokalyptischen Katastrophe, doch diese findet sich nicht im Glauben oder bei Außerirdischen, sondern unter den Menschen selbst, in dem, was uns Menschen so ausmacht: der Kommunikation! Eigentlich schade, dass diese geniale Idee, die witzig und spannend umgesetzt wurde, so sehr untergegangen ist.

Daher an dieser Stelle – Filmtipp:

Postman

USA 1997

Regie und Hauptrolle Kevin Costner

Der Name des Windes

Category : Gelesen

Der Name des Windes: Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag von Patrick Rothfuss

Das Buch ist nicht schlecht. Das erst einmal vorweg, man kann es locker lesen und Spaß daran haben, aber gut ist anders. Im Grunde teilt sich das Buch in zwei Elemente: gute Details und eine schlechte Basis. Die Details sind manchmal sogar so hervorragend, dass sie über die schwache Grundhandlung hinwegretten, aber sie kommen nicht regelmäßig genug vor, um zu verhindern, dass man alle paar Seiten darauf gestoßen wird, dass es um ein Wunderkind geht, dem nur immer wieder das nötige Kleingeld fehlt, um die Welt zuerobern. Kvothe ist ein Übercharakter – er kann alles, lernt alles, beherrscht alles, was er anfängt und hat den eisernen Willen, auch alles andere zu beherrschen. Sein einziges Problem ist Geldmangel und ein geradezu systematisches Pech. Der erste Teil des Buches ist nett, aber nicht sehr fesselnd: Ein kleiner genialer Junge bekommt von seinen idealen und geliebten Eltern und Freunden alles, was er braucht, um noch genialer zu werden. Der Part wird durch die Sprünge in die Gegenwart des Erzählens aufgelockert. Dann folgt der Schicksalsschlag, der aus dem Übercharakter nun den Helden machen soll: Seine Eltern werden unter unheimlichen Bedingungen ermordet. Die Geschichte lässt sich Zeit, es ist nicht die Katastrophe selbst, die den Helden zum Helden macht. Trauer und Verwirrung werden recht ausführlich, wenn auch nicht sehr kreativ mit einer Flucht in die Wildnis behandelt. Es folgt der leider viel zu kurze Höhepunkt, Kvothes Leben als Straßenkind in einer Großstadt. Diese 100 Seiten sind unglaublich fesselnd und berührend, ohne an Humor einzubüßen. Der sarkastische Unterton des Erzählers, der auf sein zwölfjähriges Ich zurückblickt und sich wundert, wie naiv und dumm er damals gewesen war, ist sehr treffend und erfrischend. Schon hier spielt Geld eine wichtige Rolle, Kvothe hat nämlich keines. Er bettelt und stiehlt, um zu überleben und das, obwohl er eine umfassende musikalische und schauspielerische Ausbildung bei seinen Eltern genossen hatte. Doch sein Leben in der Stadt wird so gut beschrieben, dass die Frage, wieso er seine Fähigkeiten nicht als Gaukler und Musiker einsetzt, keine große Rolle spielt. Dass die Basis eben nicht sehr gut ausgearbeitet ist, zeigt der nächste Umbruch in Kvothes Leben: Wegen einer Geschichte, erzählt von einem fahrenden Sänger, bricht er sein Leben als Straßenkind von heute auf morgen ab und zieht in die Universität. Sein Aufbruch wird keineswegs zu leicht dargestellt, aber doch zu leicht, um glaubwürdig zu sein und wieder fragt man sich, wieso erst jetzt? Von der Universität hatte er doch schon immer geträumt.

Ab hier baut das Buch ab, ja es macht sogar explizite Fehler, gerade wenn es um das Geld geht. Ein Beispiel: Bei Kvothes Ankunft an der Universität werden ihm bei der ersten Zulassungsprüfung -3 Talente Studiengebühren auferlegt, das heißt, die Universität ZAHLT dafür, dass er dort studieren kann. Gleichzeitig wird in einem Gespräch mit Mitstudenten erklärt, dass Gebühren in Höhe von 7,3 Talenten mit dem Schlagen der Prüfer verbunden sein müsse, weil es so horrend viel wäre. Nur sechs Monate später werden Kvothe, der ein unbestrittener Überflieger und Genie ist, sechs Talente berechnet. Der einzige Grund: Ihm wurden kurz vorher sieben Talente geschenkt. Würde er niedrigere Studiengebühren auferlegt bekommen, hätte er Geld und das Hauptproblem der Grundhandlung würde wegfallen. Diese Zwangsinflation zieht sich durch das ganze Buch und ist sowohl nervig wie auch vorhersehbar. Hinzu kommen unmotivierte und kurzfristige Aktionen, die man nur mit einem “ah, ok, ist gut, wenn der Autor das sagt” quittieren kann. Dadurch fehlt vielen Charakteren die entsprechende tiefe und schlüssige Motivation.
Was jedoch hervorragend ist, sind die kleinen Spitzen, wie der Verweis auf ein Land, in dem immer wieder ein Doktor auftaucht, und dies ein Hinweis auf Katastrophen wäre. Oder Brüche in der Idealisierung, wenn jemand in die Beschreibung der angeblich schönsten Frau der Welt einwirft, dass sie eine etwas krumme Nase hätte. Eine größere Spitze sind wunderschöne Charaktere, die jedoch viel zu sehr am Rande stehen, so zum Beispiel einige der Lehrer an der Universität, die Kvothe auffordern, vom Dach zu springen, wenn er unterrichtet werden wolle, und als er dies tut, meinen, man könne einen so leichtsinnigen Menschen, der einfach so von einem Dach springt, nicht als Schüler aufnehmen, das wäre zu gefährlich.
Als Fazit: Leider zu flache Grundhandlung und ein nicht ausreichend ausgebauter Protagonist, aber locker und unterhaltsam geschrieben, sehr empfehlenswert für Zwischendurch und für Leser, die nicht hinterfragen, sondern sich nur treiben lassen wollen.

SPIEL 2010

Category : Besucht

Internationale Spieletage SPIEL – Messe Essen, 21. bis 24.10.10, Besucherpreis Tageskarte: Erwachsene  EUR 11,50, Kinder bis 12 EUR 6,50

Seitdem ich im Ruhrgebiet lebe, ist die SPIEL in Essen ein Muss. Leider ist sie regelmäßig, wie auch dieses Jahr, in den Herbstferien und daher etwas überfüllt, aber mit etwas Geduld und wenn man auch auf dem Boden spielen mag, ist alles drin. Leider reicht ein Tag nicht, um wirklich ausführlich zu spielen und einzukaufen, wir schafften ein bescheidenes Mittelmaß.

Spieletest:

Bei “Noris” fesselte uns die neuaufgelegte Trilogie aus den 80ern.

“Die drei Magier” – Das Spiel überzeugte recht schnell, man hatte noch nicht fertig gelesen und schon war klar, wie es geht. Über neun Plätze sind vierzehn Tarot-Karten in sieben Motiven verteilt. Jeder Spieler spielt mit zwei Figuren, einem Magier und einem Zauberlehrling. Der Magier springt von Platz zu Platz, der Lehrling bewegt sich über Wege zwischen dem Plätzen, muss also sozusagen “zu fuß” gehen. Ziel ist es, von jedem Kartenmotiv eine zu ergattern. Da man zu dritt spielen muss und zwar exakt zu dritt – das Spiel duldet weder zwei noch vier Spieler -, kann man schnell herausfinden, dass man sich um die Tarot-Karten prügeln muss. Eine Karte kann man erbeuten, indem man entweder seinen Zauberlehrling und dem Magier gleichzeitig auf einen Platz bringt, oder indem man sich mit einem anderen Magier auf einem Platz duelliert.  Gewürfelt wird nicht mit Würfeln sondern mit Stäben, was dem ganzen Spiel einen gewissen Reiz verleiht. Sie Spielidee ist sehr simpel aber sehr spannend. Man interagiert ständig mit den anderen Spielern, wodurch keine langweiligen Wartezeiten entstehen. Es geht um Glück, knobeln und Taktik und durch die Duelle und das Verbannen von Lehrlingen oder Magiern ins Labyrinth bekommt das Spiel eine fiese “Mensch ärgere dich nicht”-Note, die auch den hinterhältigen Charakteren unter den Spielern Spaß macht.

“Das Blaue Amulett” – Der zweite Teil war weniger spannend, auch nicht schlecht, aber unausgeglichen, da sehr glücksabhängig und man kann mit der richtigen Taktik schnell Vorsprung gewinnen, den Mitspieler nicht mehr einholen können. Das drückt natürlich die Spannung und verkürzt das Spiel. Es wird wieder nicht gewürfelt, sondern über sechs Positionskarten taktisch gezogen. Alle sechs Felder befindet sich ein Hindernis, das mit Schicksalskarten überwunden werden muss. Kann man ein Hindernis nicht aus dem Weg räumen, dreht man über die Gegenbahn eine Ehrenrunde. Auch hier kann man gegnerische Figuren auf die Gegenbahn kicken, was jedoch nur am Anfang passiert, weil sich das Feld zu schnell entzerrt. Mit beweglichen Bösewichten, kann man Gegner nach jedem Zug ärgern. Besonders charmant: um Diskussionen zu vermeiden, hat die Anleitung eine “Vergessen ist Vergessen”-Regel die klar macht, dass man vergessene Aktionen nicht nachfordern kann.

“Der Feuersalamander” – Wieder ein System mit Würfelstäben. Der Schwerpunkt kehrt zurück zum Knobeln. Mit nur zwei Karten auf der Hand muss man Dreierreihen bilden. Die dazu benötigte dritte Karte muss man sich bei den Mitspielern erfragen. Mit zwei bis vier Spielern ist man in kleiner Runde dabei. Auch hier sind die Regeln recht simpel, obwohl man die gesamte Anleitung lesen muss, um zu kapieren, was überhaupt das Ziel ist, auf den ersten Seiten wird das nämlich nicht klar, was einen schnellen Einstieg oder das wiederholte Spielen bei vergesslichen Spielesammlern erschwert. Ähnlich wie bei Cluedo erfragt man immer nur Teile der Information, die man dann mit den Hinweisen aus dem nicht immer aktuellen und damit trügerischen Positionsstein kombinieren muss, um dann die exakte Karte zu fordern und die punktereichste Kombination zu bilden. Durch ein frei wählbares Endziel (eine beliebige Punktezahl) kann die Spieldauer und der Schwierigkeitsgrad individuell variiert werden.

Alle drei Spiele sind sehr schön aufgemacht und mit ansprechend gestalteten Karten und schönen, großen Holzfiguren ausgestattet. Durch farblich unterschiedliche aber zueinander passende Kartons sieht die Serie sicher in jedem Spieleschrank sehr dekorativ aus.

Was uns noch recht direkt ansprang war “Jäger der Nacht” von Kosmos. Im Gegensatz zu den drei Klassikern von Noris lockt Jäger der Nacht mit einer sehr hohen Spielerzahl, empfohlen sind vier bis sechs Spieler, erfahrene Spieler sollen auch zu acht Spaß haben. Getestet haben wir zu fünft und tatsächlich entstanden keine lästigen Wartezeiten, weil sich jede Aktion eines Spielers auf einen anderen Spieler bezieht und von jedem beobachtet werden sollte, um Schlüsse über die Identität des Spielercharakters zu ziehen. Zu Beginn weiß man nämlich nicht, wer Gegner und wer Verbündeter ist. Das Prinzip ist recht simpel, aber kreativ, es gibt zwei “Gruppen” Vampire und Werwölfe, deren einziges Ziel darin besteht, die anderen zu vernichten. Dazwischen tummeln sich einige Menschen mit individuellen Zielen, die es schwieriger machen zu erkennen, wer Freund und wer Feind ist. Hat man den Gegner jedoch erkannt, ist das Ziel klar: Vernichten! Über unterschiedliche Ortskarten, die auch noch verschoben werden können, um das Spielfeld bei mehrfachem Spielen umzugestalten, werden verschiedene Aktionen ausgelöst, die dem Spieler Vorteile, Nachteile oder Informationen liefern können. Es gibt eine große Anzahl an Charakteren, die unterschiedliche Ziele, unterschiedliche Zahlen an Lebenspunkten und unterschiedliche Sonderfertigkeiten haben, wodurch das Spiel auch an einem Spieleabend ein Dauerbrenner sein kann.

Prädikat empfehlenswert. Sowohl die Ausfertigung wie auch die Gestaltung waren sehr ansprechend, obwohl für die UVP von 26,99€ etwas teuer. Für den Messepreis von 20€ jedoch ein Muss.

Rollenspielecke:

Wir sind nur so durchgeflogen. Die Würfelstände waren dieses Jahr mehr als langweilig, bis auf zwei neue Neonmuster nur bekanntes und davon noch nicht mal gutes. Dafür waren Miniaturmatten wieder einmal im Ausverkauf, irgendwie geht diese Technik unter.

Prometheus Games locken mit einem neuen Setting zu Savage Worlds. Das System ist sehr gelungen und mit den verschiedenen Settings sehr vielseitig. Das Grundregelwerk ist sehr schön, handlich klein und günstig. Die beiden ersten Welten liefern ein Steam Fantasy Setting und ein postapokalyptisches Szenario. Mit dem dritten auf deutsch erschienenen Setting Hellfrost gibt es jetzt auch ein klassisches Fantasy Setting mit Eiszeitfeeling.

Die Grundregeln sind recht simpel und ausgeglichen, die Settings werden sehr prägnant aber doch sehr tiefgehend beschrieben, so erfährt man über eine Welt auch Details wie Eheriten und Küchenspezialitäten.

Ganz in der Ecke von Halle 6 (hinteres Ende gegenüber dem zweiten Zugang zur Comicshalle, wir haben uns schon etwas dumm gesucht) erwarten die sehr kommunikativen und hilfsbereiten Herren von Prometheus Games noch zwei Tage lang Interessierte. Ich kann das System nur empfehlen.

Was ich nicht empfehlen kann, ist der imp’s Shop mit einem kleinen, unscheinbarem Stand eine Seitengasse weiter rein. Na, was heißt hier ich kann es nicht empfehlen? Der Stand geht halt schwer ins Geld, neben gut sortierten deutschen Regelwerken aus unterschiedlichen Ecken gibt es hier halt viele Schätze, die man so und für diesen Preis nirgends sonst findet und zwar auch unter deutschen Regelwerken, nicht nur die sonst überall verramschten englischen Schmöker. Ausgefallene Figuren und Würfel locken dann zusätzlich zum Kauf und schwupps ist man wieder pleite.

Spielemesse allgemein:

Sehr voll! Kein Einlass für Kartenbesitzer, der nicht an den überfüllten Kassen vorbei führt. Da sollte die Messe Essen sich wirklich etwas überlegen. Keine Standpläne, was das Suchen bestimmter Anbieter zur Herausforderung macht.

Gastronomisch lecker, aber saumäßig teuer. 3,30€ für 0,5l Cola und 3,50€ für einen Hot Dog ist selbst für eine Messe happig.

Der Messeaufbau wie immer zu eng, zu wenige Spieltische, zu schmale Wege für viel zu viele Besucher.

Das Angebot und Personal der Stände jedoch hervorragend, obwohl die großen Verlage wie Ravensburger und Schmidt dieses Jahr keine wirklichen Zugtiere am Start hatten. Die Händler und Handwerker waren hervorragend und preisgünstig.

Alles in allem ein gelungener Tag und eine tolle Messe mit vielen Highlights.