rss

Book of Eli oder Mal wieder Apokalypse

Category : Gesehen

Manchmal frage ich mich, welcher Goblin unsere Ausleihliste bei LoveFilm zusammenstellt. Da kommen Filme rein, von denen ich noch nie was gehört habe und mich nicht erinnern kann, woher ich sie habe. Book of Eli ist so ein Werk. Aber da haben wir mal wieder Glück gehabt, trotz der religiösen Botschaft des Films war er verdammt gut gemacht und rutschte nicht in irgendwelche Klischees oder Vorschlaghammer-Moral ab.

The Book of Eli unter der Regie der Hughes Brothers mit Denzel Washington und Gary Oldman in den Hauptrollen kam Februar 2010 in die Kinos. Er erhielt einige gute Kritiken und ein paar Nominierungen, aber erfolgreich ist nun mal anders.

Die Handlung ist puristisch: Der Held Eli versucht 30 Jahre nach dem apokalyptischen Krieg die letzte erhaltene Bibel nach Westen zu bringen, wo sie vervielfältigt und zum Guten genutzt werden soll. Unterwegs muss er sich durch die gesetz- und morallose postapokalyptische Welt schlagen und wird von einem Stadtherren verfolgt, der das Wort Gottes nutzen möchte, um die aufbegehrende Bevölkerung seiner kleinen Siedlung unter Kontrolle zu bekommen. Von diesem religiösen Hintergrund bekommt man in dem wundervoll stimmungsvollen Film aber nur am Rande etwas mit. Im Vordergrund steht ein Mann mit überwältigenden Kampffähigkeiten und einer geradezu beängstigenden Seelenruhe.

Was diesen Film so bemerkenswert macht, sind seine Bilder, allesamt in grau-braun gehalten. Der Film arbeitet mit wunderschönen Schattenspielen und Lichteffekten, wodurch das von der Sonne verbrannte Land und die Trostlosigkeit der nach dem Krieg übrig gebliebenden Einöde sehr gut zur Geltung kommen. Diese Kamera und Bildwahl erlaubt auch die durchaus grausamen Kampf- und Todesszenen, ohne zu Splatter abzurutschen.

Der Film ist mitreißend, ohne spannend zu sein, die Wendungen sind logisch aber unerwartet, die Bilder immer wieder beeindruckend, die Dialoge sind sparsam aber sehr gut gestaltet und die Texte sehr aussagekräftig. Alles in allem ein gelungener Film.

DVD-Report: Die DVD ist bescheiden ausgestattet und hat grässliche Tonprobleme, der gesprochene Text ist viel zu leise, ähnlich wie die sparsame Filmmusik – dafür ist die Effektspur viel zu laut und schreckt den Zuschauer zu oft unangebracht auf. Wieder ein guter Film, bei dem sich der DVD-Kauf nicht lohnt.

Bei der Gelegenheit: Der einzige Kritikpunkt ist hier die religiös-spirituelle Konstruktion. Zwar stört es nicht, aber die Botschaft ist … nun ja, 2000 Jahre alt! Auch wenn sie wahr sein mag, in der Unterhaltungsbranche hätte ich gerne mehr Kreativität.

Wir erinnerten uns bei diesem Film an “Postman” von und mit Kevin Costner, der Festlandversion von Waterworld, die hundert mal besser war aber ungemein floppte. Auch dort geht es um Hoffnung nach einer apokalyptischen Katastrophe, doch diese findet sich nicht im Glauben oder bei Außerirdischen, sondern unter den Menschen selbst, in dem, was uns Menschen so ausmacht: der Kommunikation! Eigentlich schade, dass diese geniale Idee, die witzig und spannend umgesetzt wurde, so sehr untergegangen ist.

Daher an dieser Stelle – Filmtipp:

Postman

USA 1997

Regie und Hauptrolle Kevin Costner

Post a comment