SPIEL 2010
Filed Under (Veranstaltungsbericht) by Vistin on 23-10-2010
Tagged Under : Geselschaftsspiele, Messe, Rollenspiele, Savage Worlds
Internationale Spieletage SPIEL – Messe Essen, 21. bis 24.10.10, Besucherpreis Tageskarte: Erwachsene EUR 11,50, Kinder bis 12 EUR 6,50
Seitdem ich im Ruhrgebiet lebe, ist die SPIEL in Essen ein Muss. Leider ist sie regelmäßig, wie auch dieses Jahr, in den Herbstferien und daher etwas überfüllt, aber mit etwas Geduld und wenn man auch auf dem Boden spielen mag, ist alles drin. Leider reicht ein Tag nicht, um wirklich ausführlich zu spielen und einzukaufen, wir schafften ein bescheidenes Mittelmaß.
Spieletest:
Bei “Noris” fesselte uns die neuaufgelegte Trilogie aus den 80ern.
“Die drei Magier” – Das Spiel überzeugte recht schnell, man hatte noch nicht fertig gelesen und schon war klar, wie es geht. Über neun Plätze sind vierzehn Tarot-Karten in sieben Motiven verteilt. Jeder Spieler spielt mit zwei Figuren, einem Magier und einem Zauberlehrling. Der Magier springt von Platz zu Platz, der Lehrling bewegt sich über Wege zwischen dem Plätzen, muss also sozusagen “zu fuß” gehen. Ziel ist es, von jedem Kartenmotiv eine zu ergattern. Da man zu dritt spielen muss und zwar exakt zu dritt – das Spiel duldet weder zwei noch vier Spieler -, kann man schnell herausfinden, dass man sich um die Tarot-Karten prügeln muss. Eine Karte kann man erbeuten, indem man entweder seinen Zauberlehrling und dem Magier gleichzeitig auf einen Platz bringt, oder indem man sich mit einem anderen Magier auf einem Platz duelliert. Gewürfelt wird nicht mit Würfeln sondern mit Stäben, was dem ganzen Spiel einen gewissen Reiz verleiht. Sie Spielidee ist sehr simpel aber sehr spannend. Man interagiert ständig mit den anderen Spielern, wodurch keine langweiligen Wartezeiten entstehen. Es geht um Glück, knobeln und Taktik und durch die Duelle und das Verbannen von Lehrlingen oder Magiern ins Labyrinth bekommt das Spiel eine fiese “Mensch ärgere dich nicht”-Note, die auch den hinterhältigen Charakteren unter den Spielern Spaß macht.
“Das Blaue Amulett” – Der zweite Teil war weniger spannend, auch nicht schlecht, aber unausgeglichen, da sehr glücksabhängig und man kann mit der richtigen Taktik schnell Vorsprung gewinnen, den Mitspieler nicht mehr einholen können. Das drückt natürlich die Spannung und verkürzt das Spiel. Es wird wieder nicht gewürfelt, sondern über sechs Positionskarten taktisch gezogen. Alle sechs Felder befindet sich ein Hindernis, das mit Schicksalskarten überwunden werden muss. Kann man ein Hindernis nicht aus dem Weg räumen, dreht man über die Gegenbahn eine Ehrenrunde. Auch hier kann man gegnerische Figuren auf die Gegenbahn kicken, was jedoch nur am Anfang passiert, weil sich das Feld zu schnell entzerrt. Mit beweglichen Bösewichten, kann man Gegner nach jedem Zug ärgern. Besonders charmant: um Diskussionen zu vermeiden, hat die Anleitung eine “Vergessen ist Vergessen”-Regel die klar macht, dass man vergessene Aktionen nicht nachfordern kann.
“Der Feuersalamander” – Wieder ein System mit Würfelstäben. Der Schwerpunkt kehrt zurück zum Knobeln. Mit nur zwei Karten auf der Hand muss man Dreierreihen bilden. Die dazu benötigte dritte Karte muss man sich bei den Mitspielern erfragen. Mit zwei bis vier Spielern ist man in kleiner Runde dabei. Auch hier sind die Regeln recht simpel, obwohl man die gesamte Anleitung lesen muss, um zu kapieren, was überhaupt das Ziel ist, auf den ersten Seiten wird das nämlich nicht klar, was einen schnellen Einstieg oder das wiederholte Spielen bei vergesslichen Spielesammlern erschwert. Ähnlich wie bei Cluedo erfragt man immer nur Teile der Information, die man dann mit den Hinweisen aus dem nicht immer aktuellen und damit trügerischen Positionsstein kombinieren muss, um dann die exakte Karte zu fordern und die punktereichste Kombination zu bilden. Durch ein frei wählbares Endziel (eine beliebige Punktezahl) kann die Spieldauer und der Schwierigkeitsgrad individuell variiert werden.
Alle drei Spiele sind sehr schön aufgemacht und mit ansprechend gestalteten Karten und schönen, großen Holzfiguren ausgestattet. Durch farblich unterschiedliche aber zueinander passende Kartons sieht die Serie sicher in jedem Spieleschrank sehr dekorativ aus.
Was uns noch recht direkt ansprang war “Jäger der Nacht” von Kosmos. Im Gegensatz zu den drei Klassikern von Noris lockt Jäger der Nacht mit einer sehr hohen Spielerzahl, empfohlen sind vier bis sechs Spieler, erfahrene Spieler sollen auch zu acht Spaß haben. Getestet haben wir zu fünft und tatsächlich entstanden keine lästigen Wartezeiten, weil sich jede Aktion eines Spielers auf einen anderen Spieler bezieht und von jedem beobachtet werden sollte, um Schlüsse über die Identität des Spielercharakters zu ziehen. Zu Beginn weiß man nämlich nicht, wer Gegner und wer Verbündeter ist. Das Prinzip ist recht simpel, aber kreativ, es gibt zwei “Gruppen” Vampire und Werwölfe, deren einziges Ziel darin besteht, die anderen zu vernichten. Dazwischen tummeln sich einige Menschen mit individuellen Zielen, die es schwieriger machen zu erkennen, wer Freund und wer Feind ist. Hat man den Gegner jedoch erkannt, ist das Ziel klar: Vernichten! Über unterschiedliche Ortskarten, die auch noch verschoben werden können, um das Spielfeld bei mehrfachem Spielen umzugestalten, werden verschiedene Aktionen ausgelöst, die dem Spieler Vorteile, Nachteile oder Informationen liefern können. Es gibt eine große Anzahl an Charakteren, die unterschiedliche Ziele, unterschiedliche Zahlen an Lebenspunkten und unterschiedliche Sonderfertigkeiten haben, wodurch das Spiel auch an einem Spieleabend ein Dauerbrenner sein kann.
Prädikat empfehlenswert. Sowohl die Ausfertigung wie auch die Gestaltung waren sehr ansprechend, obwohl für die UVP von 26,99€ etwas teuer. Für den Messepreis von 20€ jedoch ein Muss.
Rollenspielecke:
Wir sind nur so durchgeflogen. Die Würfelstände waren dieses Jahr mehr als langweilig, bis auf zwei neue Neonmuster nur bekanntes und davon noch nicht mal gutes. Dafür waren Miniaturmatten wieder einmal im Ausverkauf, irgendwie geht diese Technik unter.
Prometheus Games locken mit einem neuen Setting zu Savage Worlds. Das System ist sehr gelungen und mit den verschiedenen Settings sehr vielseitig. Das Grundregelwerk ist sehr schön, handlich klein und günstig. Die beiden ersten Welten liefern ein Steam Fantasy Setting und ein postapokalyptisches Szenario. Mit dem dritten auf deutsch erschienenen Setting Hellfrost gibt es jetzt auch ein klassisches Fantasy Setting mit Eiszeitfeeling.
Die Grundregeln sind recht simpel und ausgeglichen, die Settings werden sehr prägnant aber doch sehr tiefgehend beschrieben, so erfährt man über eine Welt auch Details wie Eheriten und Küchenspezialitäten.
Ganz in der Ecke von Halle 6 (hinteres Ende gegenüber dem zweiten Zugang zur Comicshalle, wir haben uns schon etwas dumm gesucht) erwarten die sehr kommunikativen und hilfsbereiten Herren von Prometheus Games noch zwei Tage lang Interessierte. Ich kann das System nur empfehlen.
Was ich nicht empfehlen kann, ist der imp’s Shop mit einem kleinen, unscheinbarem Stand eine Seitengasse weiter rein. Na, was heißt hier ich kann es nicht empfehlen? Der Stand geht halt schwer ins Geld, neben gut sortierten deutschen Regelwerken aus unterschiedlichen Ecken gibt es hier halt viele Schätze, die man so und für diesen Preis nirgends sonst findet und zwar auch unter deutschen Regelwerken, nicht nur die sonst überall verramschten englischen Schmöker. Ausgefallene Figuren und Würfel locken dann zusätzlich zum Kauf und schwupps ist man wieder pleite.
Spielemesse allgemein:
Sehr voll! Kein Einlass für Kartenbesitzer, der nicht an den überfüllten Kassen vorbei führt. Da sollte die Messe Essen sich wirklich etwas überlegen. Keine Standpläne, was das Suchen bestimmter Anbieter zur Herausforderung macht.
Gastronomisch lecker, aber saumäßig teuer. 3,30€ für 0,5l Cola und 3,50€ für einen Hot Dog ist selbst für eine Messe happig.
Der Messeaufbau wie immer zu eng, zu wenige Spieltische, zu schmale Wege für viel zu viele Besucher.
Das Angebot und Personal der Stände jedoch hervorragend, obwohl die großen Verlage wie Ravensburger und Schmidt dieses Jahr keine wirklichen Zugtiere am Start hatten. Die Händler und Handwerker waren hervorragend und preisgünstig.
Alles in allem ein gelungener Tag und eine tolle Messe mit vielen Highlights.
