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Sterben für Anfänger

Category : Gesehen

Oder: Das ist doch nicht Wash, oder?

Eigentlich könnte ich diesen Artikel aber auch so nennen: Die moderne Nutzung einer Fernsehzeitschrift. Denn so begann alles. Wir öffneten völlig gelangweilt die kostenlose Programmbeilage unseres Stadtspiegels und da war er: Nackt, wie Gott ihn geschaffen hat, und blöd schauend.

Alan Tudyk als Simon

Der Pilot der Firefly aus der gleichnamigen Serie, in seiner ganzen Pracht!

Näheres Nachlesen ergab, dass es sich um Simon handelt, den ungewollten Schwiegersohn, tatsächlich gespielt von Alan Tudyk, in dem Film “Sterben für Anfänger” von 2007. Als der Film dann auch noch als die britischste US-Produktion aller Zeiten beschrieben wurde, war klar, dass der gesehen werden musste. Aber nein, wir schrieben uns keineswegs das Sendedatum und den Sender raus. Mit drei Klicks landete der Streifen auf unserer Ausleihliste bei LoveFilm und war kaum drei Tage später auch schon im Briefkasten. Ich habe seit drei Jahren keinen Fernseher mehr und ich vermisse ihn kein Stück :-)

Nun zum Film: Nein, nach zich Torchwood- und Doctor Who-Folgen irritierte es mich nicht, dass das Lenkrad der Autos auf der “falschen” Seite war, im Gegenteil, es machte den Film auf den ersten Blick sympathisch. Simons erster Auftritt hatte mit den Bildern aus Firefly im Hinterkopf dann auch noch einen doppelt komischen Effekt. Dem nervösen, jungen Mann auf dem Weg zu einer Beerdigung, auf der er erneut den verhassten Schwiegervater in Spe treffen soll, wird mit lautem Gehupe die Vorfahrt genommen. Simon selbst ist völlig durch den Wind, während seine resolute Verlobte Martha das Fenster runterkurbelt, um den anderen Autofahrer lautstark zur Schnecke zu machen.

Nach und nach lernt man die Verwandschaft kennen und dann ist da auch noch diese kleine Pillendose – drauf steht Valium, bei einer Beerdigung nicht ganz ungewöhnlich, doch drin ist die neueste Halluzinogen-Kreation von Troy, Marthas Bruder.

Was folgt, ist eine turbulente Verwicklungskomödie, räumlich auf das Anwesen des Verstorbenen begrenzt und zeitlich auf wenige Stunden der Trauerfeier. Mit gelungenen Schnitten, ausgefallenen und individuellen Bildern und unglaublich fein gezeichneten und gut gespielten Charakteren macht dieser kleine Film unendlich viel Spaß. Er hat tatsächlich etwas ungemein Britisches, ohne “Englisch” zu wirken. Nichts ist so, wie es scheint, und doch ist alles gut, obwohl es gerade völlig schief geht. Dadurch schafft der Film sehr oberflächliche, erfrischende Unterhaltung und hat doch Tiefe. Auf kurzen 90 Minuten finden Brüder zueinander und zu ihrem Vater, Beziehungen beweisen ihre Kraft und Beschaffenheit, Ereignisse und Aussagen werden relativiert. Man kann nicht viel genauer werden, ohne zuviel von der Handlung zu verraten. Doch es ist mehr als erstaunlich, wie viel Leben, wie viel Charakter in den wenigen dargestellten Stunden von den Figuren offen gelegt werden können, während man sich schlapp lacht.

Prädikat: unendlich unterhaltsam und empfehlenswert!