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Vom Himmel in die Hölle gestiegen

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Es ist irgendwie ein komisches Gefühl, vor wenigen Stunden stieg ich stinkend, klebrig, völlig ausgepowert aber unendlich glücklich in ein Auto, nachdem ich zwei Tage lang ein geniales, gemütliches und unendlich verkuscheltes  Metalfestival besucht hatte, und erfuhr, dass wenige Kilometer neben dem Berg, auf dem 2000 Metaler für ein Wochenende dem Himmel so nahe waren, die Hölle los war.

19 Tote auf der Loveparade. Einer Veranstaltung, mit der ich und mein Freundeskreis kaum weniger zu tun haben könnte. Man ist fast versucht zu sagen:  “Selber schuld, wer hört auch schon so einen Scheiß!” Aber die Worte bleiben einem im Hals stecken. Bei solchen Bildern, bei solchen Horrorvorstellungen überwindet das Mitgefühl jede Meinungsunstimmigkeit und jede Differenz.

Meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen und meine Vorwürfe bei den Veranstaltern, die so viele Einwände und so viele Warnungen in den Wind geschlagen haben! Ich bin stolz auf meine Heimatstadt, die Verantwortlichen in Bochum haben die Risiken offenbar richtig eingeschätzt.

Als Metaler kennt man diese Art von Veranstaltungen nicht. Jedes Festival, jede Veranstaltung in unserer Szene hat klein begonnen, ist langsam gewachsen, hat gelernt. Die größten uns bekannten Planungsfehler der Veranstalter sind zu wenige Klos! Unfälle gibt es natürlich immer wieder, wie 2005 auf Wacken, aber die Dimension und vor allem die Ursache ist nicht zu vergleichen! In einem Tunnel festzustecken! Das ist ein Albtraum! Wie kann man eine 1,5 Millionen-Veranstaltung auch jedes Jahr wo anders stattfinden lassen? Vor allem dann, wenn es sich um eine Party mit hohem Alkoholkonsum handelt! Das sind nicht X Menschen, die zu einer Sportveranstaltung gehen! Das sind Abertausende von Menschen die da feiern, wo sie stehen. Wenn ich an die Loveparade denke, sehe ich ein Bild der Straße zur Siegesseule in Berlin und die Menschen, die auf Laternen sitzen. Wie konnte man da nicht damit rechnen, dass die Leute überall rumklettern werden? Vor allem da, wo man das Nadelöhr, das zum Stillstand in der Bewegung führt auch noch selbet geschaffen hat! Ein einziger Zugang für Millionen!?

Diese Nachricht hat unsere donggleiche Laune mächtig gedämpft und mir doch gleichzeitig vor Augen geführt, welches Glück ich an diesem Wochenende hatte. Es war mir schon auf dem Festival aufgefallen, der Platz! Selbst innerhalb der ersten zehn Reihen hatte ich Platz zum tanzen, zum springen, zum feiern. Und zu verdanken hatte ich das Veranstaltern, die mit einer begrenzten Besuchermenge zufrieden waren und nur die 2000 Plätze angeboten haben, die sie auch wirklich zur Verfügung stellen konnten! Die zehn Jahre lang gelernt haben, wie man es machen kann und machen muss. Ich danke Euch dafür.

Möge das Dong den Berg nie verlassen! Denn da oben ist man dem Himmel so nah!