Das Wort des Monats – Wochentölpel

Filed Under (Wort des Monats) by indigo on 16-06-2009

Tagged Under : , ,

Wie schön wäre es, wenn dieses Wort das wäre, wonach es sich anhört.
Es ist allerdings weder ein Tölpel, dessen Ungeschicklichkeit nach einer Woche vorbei ist, noch ein seltsamer Vogel, der in der Woche, die er zum Fliegenlernen braucht, unterhaltsam herumstolpert.
„Wochentölpel“, oder auch „Wochendippel“, war bis ins 19. Jahrhundert eine ziemlich gehässige Bezeichnung für „Mumps“, da diese Krankheit etwa eine Woche andauerte und die Kranken mit ihren geschwollenen Hälsen solange wie Idioten aussahen. Nett, nicht wahr? Früher war eben doch nicht alles besser.

Das Wort des Monats – Der Erlkönig

Filed Under (Wort des Monats) by indigo on 16-05-2009

Tagged Under : , ,

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es sind Übersetzer, sie fliehen geschwind.

An denen liegt es nämlich, dass sich Schulklassen seit Generationen fragen müssen, was an einem Baumkönig eigentlich so furchteinflößend ist und weshalb der es überhaupt auf einen kleinen Jungen abgesehen hat. Mein Freund der Baum kriegt da eine entschieden finstere Seite.
Ein Blick in die Vergangenheit hilft weiter: Der Erlkönig war ursprünglich ein niederdeutscher „elle(r)konge“, und dadurch kam das Missverständnis erst zustande. „Eller“ bedeutete „Erle“, war hier aber gar nicht gemeint. Bei der Übertragung ins Hochdeutsche wurde übersehen, dass das Wort eigentlich mit dem dänischen „ellekonge“ verwandt ist, und damit lässt sich das Rätsel auflösen:
Der Erlkönig ist eigentlich ein Elfenkönig.

Das Wort des Monats – Estragon

Filed Under (Wort des Monats) by indigo on 16-03-2009

Tagged Under : , ,

Estragon, das harmlos und unschuldig wirkende Gewürz, hat feurigere Verwandte, als man gemeinhin annehmen würde. Sein heutiger Name stammt aus dem Französischen, daher lässt sich seine Herkunft nicht mehr ganz so leicht nachvollziehen. Die ältere deutsche Bezeichnung lautete „Dragon“, und was man bei dieser Schreibung vermutet, ist tatsächlich vollkommen richtig. Sowohl „Dragon“ als auch „Estragon“ sind über das Arabische „ṭarḫūn“ aus dem Griechischen zu uns gekommen. Da hieß es „drákōn“, „Drache“.
Wie die Griechen darauf gekommen sind, ein Küchenkraut so zu nennen, bleibt allerdings im Dunkeln.

Das Wort des Monats – Die Klamm

Filed Under (Wort des Monats) by indigo on 18-02-2009

Tagged Under : , ,

Seit Helm kennt sie jeder, zumindest jeder fleißige Kinogänger. Aber was genau ist eigentlich eine Klamm?
Da könnte man zunächst an etwas Feuchtkaltes denken, die Festung im Herrn der Ringe ist ja recht düster und wenig heimelig. Das Adjektiv „klamm“ bedeutet allerdings nicht „feuchtkalt“, sondern „steifgefroren“. Wie das Substantiv kommt es von „klemmen“, und damit kommen wir der Sache näher. „Klemmen“ bedeutete ursprünglich „zusammendrücken“ oder „zusammenkrampfen“. Das entsprechende Substantiv hierzu, das mittelhochdeutsche „klam“, stand für „Fessel, Krampf“ oder „Beklemmung“. Die Klamm war also irgendwann einmal eine Enge oder eine Klemme.
Bis zum 11. Jh. Erhielt sie dann ihre heutige Bedeutung: Felsschlucht mit Wildwasser. Wo das Wasser plötzlich herkam? Tja, die Wege der Wörter bleiben manchmal unergründlich.

Rettet euch, die Erde kann auf sich selbst aufpassen!

Filed Under (Aus der Tagespresse) by Vistin on 15-02-2009

Tagged Under : ,

“Umweltschutz”, “Naturschutz”, “Rettet die Erde”, “Rettet die Tiere” und noch viel mehr solcher Schlagworte hört man gerade heute im Zeichen der Klimaerwärmung. Immer wieder hört man, wir müssten endlich aktiv werden und etwas ändern! Als Geograph und Germanist muss ich dabei immer blöd Grinsen. Es ist nämlich in beiden Wissenschaften völliger Blödsinn.

Aus der Sicht der Geographie ist die Erde und das Leben auf ihr ein so gewaltiges und so stabiles System, dass die Menschen und der Scheiß den wir so produzieren sich wie eine Frühjahrserkältung ausmachen. Wir rotten Tierarten und Pflanzen aus, super, das haben Tiere, Pflanzen, Naturkatastrophen und Asteroideneinschläge vor uns mehrfach und viel gründlicher getan, als wir es je könnten. Wir verändern das Klima, ja, aber der Erde ist das Schnuppe, sie ist ein System mit zwei konstanten Wendepunkten: Der eine wird erreicht, wenn es so warm geworden ist, dass die gesamte Erdoberfläche mit Wolken bedeckt ist, und kaum noch Licht zur Erdoberfläche dringt, dann legen chemische Prozesse und der Energiehaushalt den Rückwärtsgang ein und die Erde wird sich abkühlen. Friert die Erde vollständig zu, kann das CO² nicht mehr abgebaut werden und reichert sich immer weiter an, was die Erde wieder auftaut. Kein Extrempunkt kann erreicht werden ohne dass automatisch der Gegenprozess eingeleitet wird.

Natürlich geschieht das nicht ohne Opfer! Aber die Erde hat schon mehrfach 80 ja sogar 90% der Arten eingebüßt, durch Megaeruptionen von Vulkanen, Asteroideneinschläge und auch durch atmosphärische Veränderungen. Auch die beiden beschriebenen Extrempunkte wurden in den 4,6 Miliarden Jahren schon mal erreicht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Leben nicht nur einmal auf der Erde entwickelt hat, sondern dass es mehrere Anläufe gegeben hat. Die Erde wird also überleben und auch “das Leben” auf der Erde wird bestehen bleiben, was verschwinden wird sind lediglich die Menschen, vielleicht die Säugetiere allgemein, aber die sind eh ein überholtes Modell. Die Zukunft gehört den Insekten deren Artenzahl täglich steigt und den Viren, deren Vorzeigespieler das HI-Virus bereits jetzt zur Dezimierung der Menschheit beiträgt. So kann ich als Geograph guten Gewissens sagen, dass weder die Umwelt noch die Natur geschützt werden muss, sie sind 4,6 Milliarden Jahre ohne unseren Schutz ausgekommen, sie packen es die nächsten paar Milliarden auch.

Als Germanist und damit als Geisteswissenschaftler, der die Menschheit im Fokus hat, kann ich über diese Formulierungen auch nur lachen! Wenn wir mit diesen Worten das erfassen wollen um was es wirklich geht, nämlich die Erhaltung des Menschen, dann müsste es Menschenschutz heißen oder zumindest “Menschenerhaltung”. Doch der Mensch ist ein Aktivist. Er kann nicht mit etwas aufhören, sondern versucht die negativen Auswirkungen seiner Handlungen durch weitere Handlungen abzumildern. Er denkt immer von sich aus nach Außen und genauso funktioniert auch seine Sprache. Es ist ganz leicht zum Schutz aufzurufen. Schutz ist ein mächtiges Wort. Es ist aktiv und es fordert einen Dritten, also ein Außen auf zu Handeln. Wieso können wir nicht zum “Aufhören” aufrufen? Wieso klingt das so merkwürdig in unseren Ohren? Vielleicht, weil wir damit eingestehen müssten, dass wir nicht nur nicht das Richtige tun, sondern explizit das Falsche? Weil wir einsehen müssten, dass es diesmal kein böses Außen gibt, sondern wir uns selbst bedrohen? Da ist kein Gott, kein Fremder, keine feindliche Umwelt nur der Mensch selbst. Eine Erkenntnis zu der wir nicht bereit sind und die wir daher auch nicht in exakte Worte kleiden können. Dabei ist es so einfach: Wenn wir aufhören die Umwelt anzugreifen, müssen wir sie nicht schützen. Wenn wir aufhören würden die Erde in ihren Prozessen in eine für uns lebensfeindliche Phase zu treiben, müssten wir diese Prozesse nicht aufhalten!

Aber solche Dinge können wir mit den menschlichen Sprachen gar nicht erfassen. So egozentrisch ist unsere Kultur und unsere Kommunikation, dass jede Aufforderung zur Umkehr, zur Veränderung unserer Gewohnheiten wie ein Eingriff in unsere Grundrechte klingt. Wieso ich! Sollen die anderen doch was für die Umwelt tun! – Nein, nicht FÜR, sondern GEGEN! Um die Umwelt müssen wir uns keine Sorgen machen, eine Umwelt wird es immer geben, die frage ist, ob wir in der neuen Umwelt atmen können, darum sollten wir uns sorgen! Ist es nicht paradox, dass der Egoismus unserer Art eine so stark von Innen nach Außen denkende Sprache erschaffen hat, dass wir nicht mehr exakt genug formulieren können um einmal aus egoistischen Gründen handeln einzustellen? Wie formuliert man einen Aufruf, der die Weltbevölkerung davon überzeugt, dass sie aufhören müssen sich selbst zu vernichten, wenn unsere Sprache dazu neigt aktivistisch nach Außen zu weisen?

Im Rahmen einer neu erfundenen Wissenschaft dem Geo-Engineering ist gerade jetzt ein Schiff, die Polarstern, auf dem Weg in die Antarktis um zu überprüfen was die Menschheit tun kann, um die Welt vor dem zu retten, was wir bereits getan haben.

Also ich bin für “Menschheitsschutz” durch “Naturvernichtungsunterlassung” damit “die Erde bestehenbleibt” wie sie ist, und der Mensch einfach nur am Leben bleibt und ob meine Tochter mit einem Hündchen oder einer Riesenschabe spielt ist mir eigentlich egal.