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Don’t Make Me Steal

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Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an meinen Artiken von August “Selbstgemachte Kriminelle” oder den Kommentar, in dem angezweifelt wurde, dass Raubkopierer ein legales Download-Angebot nutzen würden. Seit gestern ist nun ein Projekt online, durch das eben dieses kriminelle Pack von Dieben und Gaunern vor der Filmindustrie auf die Knie fällt und bittet: “Don’t make me steal” (Zwing mich nicht zu stehlen)

Innerhalb von einem Tag haben über 2000 Menschen den folgenden Schwur durch ihre Zustimmung geleistet: “I PROMISE never to illegally download a movie if there was a legal alternative following the criteria on this page” (Ich verspreche nie einen Film illegal runter zu laden, wenn es eine lagale Alternative gibt, die den Bedingungen auf dieser Seite entspricht.)

Die Bedingungen sprechen mir – und offenbar vielen anderen – aus der Seele. Sie enthalten eigentlich elementare Dinge wie den Zugang zu allen Sprachversionen, Optionen zum Untertitelupload, angemessene Preise und Unabhängigkeit von proprietärer Software. Durch dieses Projekt fühle ich mich in meiner Einschätzung der Lage sehr bestätigt und hoffe, dass das Projekt noch umfassenden Zuspruch und Aufmerksamkeit bekommt, damit es die Verantwortlichen vielleicht ein wenig zum Umdenken bewegt.

Daher lieber Leser, noch einmal der Link:

www.dontmakemesteal.com

und bitte durch Twitter oder Facebook unterstützen und über Blogs verbreiten!

Selbstgemachte Kriminelle

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Category : Kommentiert

Oh mein Gott! Uns ist mal wieder aufgefallen, dass das Internet zur illegalen Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte benutzt wird!

Manchmal fragt man sich, wie naiv manche Menschen wirklich sind! Und vor allem wie dumm! Natürlich ist es illegal, einen Film, Musik oder Bücher aus dem Internet zu laden, ohne dafür zu bezahlen! Das liegt doch auf der Hand! Da ist es egal, ob das über Tauschbörse, One-Click-Hoster oder Stream-Server passiert.

Und das Gros der Nutzer dieser Dienste ist nicht halb so naiv wie gewisse Medien. Jedem Besucher eines Tauschforums ist klar, dass er sich nicht mehr am Rand, sondern jenseits der Legalität bewegt, spätestens die nervtötenden Anti-Raubkopierer-Werbespots – die sich faszinierenderweise nicht an die Raubkopierer, sondern an die Nutzer richten, die mit dem Kauf der Original-DVD, die diese Werbung enthält (weil die Macher doch nicht wirklich glauben, dass dieser Mist in der HD-Raubkopie noch enthalten ist) ja eigentlich bewiesen haben, dass sie sich an die Regeln halten – haben jeden Deppen gelehrt: Raupkopien sind schlimmer als kleine Jungen zu … ehh, ‘schuldigung, vielleicht etwas übertrieben. Wobei Moment! Wie komme ich auf diesen Vergleich?

Das allwissende Orakel beantwortet die Frage:

Suchbegriff: Raubkopie Haftstrafe

erster Treffer: RAUBKOPIERER SIND VERBRECHER

Suchbegriff: Missbrauch Haftstrafe

erster Treffer: Sexueller Missbrauch: Haftstrafe für Heilpädagogen

Na? Aufgefallen? Genau! Jemandem der zu privaten Zwecken Raubkopien anfertigt, also keinerlei Gewinn davon erwirtschaftet droht die selbe Haftstrafe, wie einem Mann der sich mehrfach an zwei Kindern vergangen hat.

Und jetzt fragen wir uns einmal, was dieser Gesellschaft mehr Wert ist: Unser geistiges Eigentum oder unsere Kinder. Die Antwort ist einfach: Unser geistiges Eigentum – davon haben wir einfach VIEL zu wenig.

Aber zurück zum Thema: Da gibt es also Leute, die für die neueste Meisterleistung eines Regisseurs, eines Autors oder eines Musikers nicht bezahlen wollen. Was bedeutet das? Nehmen wir das Beispiel Film – ich spekuliere mal:

1. Es handelt sich um Leute, die es sich nicht erlauben können, den Lohn für zwei bis vier Arbeitsstunden in eine überteuerte Kinokarte zu investieren, um auf unbequemen Sesseln überteuertes Popkorn mampfend und verwässerte Cola trinkend auf den Hinterkopf ihres Vordermanns zu starren, während sich auf der Leinwand Russel Crowe darum bemüht, mit nur einem Gesichtsausdruck eine Charakterrolle zu bestreiten. Im Kino gibt es keine Geld-zurück-Garantie, noch nicht einmal, wenn man mitten im Film gehen muss, weil der Streifen hartnäckig versucht, einem den Magen umzudrehen.

2. Es handelt sich um Leute, die ihren Rechner aus Platz, Bequemlichkeit, was auch immer, als Multimediagerät nutzen. Das ist vollkommen legal, keiner kann mich zwingen, einen externen DVD-Player zu besitzen, ich habe für den Brenner in meinem Rechner sogar GEMA-Gebühren bezahlt, obwohl das Teil noch nie eine Musik-CD gesehen hat. Wer diese Entscheidung trifft, wagt sich nicht mehr an das DVD-Regal. Denn die 16 bis 30 Euro teuren Silberlinge sind zum großen Teil so schlecht bespielt, dass auch das beste Wiedergabeprogramm in die Knie geht. Untertitel können nicht abgestellt oder nicht eingeschaltet werden, Menüs können nicht angewählt werden, oder erscheinen gar nicht, weil da irgendwelche schlecht eingebundene Animationen drin stecken, die vielleicht hübsch wären und einen Mehrwert darstellen würden: Wenn sie funktionieren würden! Muss ich jetzt auch noch über den ach so heiligen Kopierschutz sprechen, der die Wiedergabe gewisser Medien auf Rechnern vollständig verhindert? Doch muss ich, weil das zu einem schon erwähnten Punkt führt: Hat schon mal jemand versucht, eine legal erworbene DVD, die aus der Folie entnommen wurde, zurück zu geben, mit der Erklärung, ich kann sie nicht abspielen? Oder haben sie den Blick eines Verkäufers vor Augen, den sie danach fragen, ob und wie eine DVD kopiergeschützt ist? Das sind Erlebnisse, die kann man noch den Urenkeln – die DVDs und ähnliche Medien hoffentlich nicht mehr kennen – erzählen. Meistens sind die dummen Dinger eh vom Umtausch ausgeschlossen, und mit der Argumentation: Der Film war einfach nur scheiße, den will ich nicht besitzen!, kann man der Filmindustrie sowieso nicht kommen.

3. Es handelt sich um Leute, die eine Kunstform wirklich lieben. Leidenschaftliche Menschen, die in Filmen und Musik aufgehen, die Bücher wie ihr täglich Brot brauchen und verbrauchen. Menschen mit langweiligen, tristen und zum Teil schrecklichen Schicksalen, die in der Kunst Trost, Zerstreuung und Lebenswillen suchen und finden. Menschen, die jeden Pfennig, den sie entbehren können, in ihre Leidenschaft stecken, Menschen die freudestrahlend den Postboten mit dem Amazon-Päckchen erwarten, die Buchhandlungen wie auf Wolken schwebend betreten, die mit leuchtenden Augen zwischen CD- und DVD-Regalen stehen, die um Mitternacht ins Kino gehen, um die Preview zu sehen. Es sind die Menschen, die für ihre Leidenschaft alles geben würden, die nur nicht sehr viel haben, weil sie Studenten oder Schüler sind, weil sie miese Jobs haben, weil sie sich das, womit sich andere Luxusvillen in der Schweiz finanzieren, nicht leisten können. Es sind die Fans derjenigen Künstler, deren Manager, Plattenfirmen und Verleiher die “Raupkopierer sind Verbrecher”-Kampagne mit so viel Geld vollpumpen, dass man damit Preiserhöhungen der Medien rechtfertigen könnte!

Und damit sind wir bei der wichtigsten Frage angelangt: Wie verhindert man Raubkopien?

Ganz einfach, man erinnert sich daran, dass Filme, Musik und Literatur Kunst sind und man ein Recht darauf hat. Dienstleistungen wie LoveFilm.de verhindern Raubkopien besser als nervende Werbespots! Wieso müssen sich auch digitale Versionen von Büchern an die Buchpreisbindung des Hardcovers halten? Wieso gibt es so wenige Angebote für legalen Download von Serien, Filmen und Musik? Und wieso muss so viel Geld in Kopierschutz investiert werden, wenn das Geld einfach für alternative Angebote genutzt werden könnte?

Der Mensch möchte nicht kriminell sein, aber bevor er verhungert, wird er Brot stehlen. Mit dem geistigen Hunger ist es genauso, wieso muss Kunst ein Luxusgut sein? Machen wir eine Beispielrechnung:

Man nehme einen Film und vergesse jetzt einmal das Kino, was eine Sache für sich ist.

Lagaler Stream: 2 Euro – Einmaliges sehen eines Films über eine gut sortierte Videothek.

Legaler Download: 4 Euro – Eine avi-Datei, Stereo-Sound, Kein HD, nur eine Tonspur, keine Untertitel

Legaler Download: 6 Euro – Eine avi-Datei, Strereo-Sound, Kein HD, mehrere Tonspuren und Untertitel

Legaler Download: 8 Euro – iso-Datei (oder was auch immer, Hauptsache kein Kopierschutz-Mist), 5.x Sound, HD, all inc.

Nur Film DVD: 10 Euro – DVD auf dieser etwas Werbung und Film, Hülle mit Cover

DVD mit Bonus: 12 Euro – DVD mit etwas Werbung, Film, Extras, Hülle und Cover

DVD Director’s Cut: 14 Euro – DVD mit Film im Director’s Cut, Extras, Hülle und Cover

DVD Liebhaber: 16 Euro – DVD mit Film im Director’s Cut, Extras, Hülle, Cover, Beiheft mit Infos

Wenn man diese Auswahl hätte und das ganz legal, ohne Einschränkungen in der benötigten Soft- oder Hardware, wer würde sich dann noch durch unübersichtliche Foren und Rapidshare-Links wuseln, um dann doch bei einem falsch getagten Softporno zu landen?

Die Medienindustrie hat sich die Kriminellen selbst gemacht, sie kann sie auch wieder verschwinden lassen, wenn sie umdenkt und sich erinnert, dass sie gegen ihre eigenen Kunden kämpft.

RAUBKOPIERER SIND VERBRECHER