Science Fiction zum Greifen nah

Filed Under (Aus der Tagespresse) by indigo on 20-02-2009

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Heute vor 50 Jahren war die Zukunft noch nah. Gerade war der erste Wettersatellit gestartet worden, um Wolkenfelder zu messen. Die Daten wurden damals auf einem 25 Meter langen Tonband gespeichert und per Funk zur Erde gesendet, wo sie am Dienstag, den 17. Februar 1959, auch in Bonn und Bochum empfangen wurden. Was heutzutage wie ein antiquierter Weltraumdinosaurier daherkommt, war der “Beginn eines neuen Zeitalters der Wetterbeobachtung”, wie die beteiligten Wissenschaftler verlauten ließen.

Damit war die Eroberung des übrigen Weltraums in der Vorstellung der Wissenschaft nur noch eine Frage der Zeit. In Los Angeles wollte man sich nicht auf die Messung reflektierter Infrarotstrahlen beschränken, da wurden größere Pläne geschmiedet. Die erste Sonde (allerdings eine russische) sollte am 13. September desselben Jahres auf dem Mond landen, was aber wie ein reichlich kleiner Schritt für die Menschheit wirkt, verglichen mit dem, was der Biologe Dr. John Lyman plante. Beschwingt von den Erfolgen des Wetterdienstes oder womöglich inspiriert durch die Nähe zu Hollywood glaubte er die Reise zu den Sternen zum Greifen nah: durch Tiefkühlung der Astronauten. Zwar waren die Tests an Nagern noch nicht einmal begonnen, Lyman ging aber dennoch davon aus, dass es in absehbarer Zeit problemlos möglich sein würde, Menschen in Kälteschlaf zu versetzen und auf diese Weise auf Jahrzehnte andauernde Reisen in die unbekannten Weiten des Weltraums zu schicken, ohne mit dem Problem konfrontiert zu werden, dass von solchen Reisen keine Rückkehr möglich ist.

Da bis heute keine derartigen Expeditionen bekannt geworden sind, hat es dabei wohl doch Schwierigkeiten gegeben. 2005 berichtete Spektrum der Wissenschaft, schadloser Kälteschlaf sei in Tierexperimenten jetzt beinahe möglich. Die Zukunft ist offenbar in weitere Ferne gerückt als zuerst vermutet. Aber wäre es wirklich erstrebendwert, nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten bewusstlos im Weltall und  dem Sammeln von Gesteinsproben auf Lichtjahre entfernten Planeten schließlich ungealtert zur Erde zurückzukehren? Es war angedacht wie ein futuristischer Traum, die Möglichkeit, eine solche Reise anzutreten und auch noch davon erzählen zu können. Nur wem? Bekannte Gesichter wird wird man nach diesem ausgedehnten Schönheitsschlaf kaum antreffen.