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Das Wort des Monats – Wochentölpel

Category : Wort des Monats

Wie schön wäre es, wenn dieses Wort das wäre, wonach es sich anhört.
Es ist allerdings weder ein Tölpel, dessen Ungeschicklichkeit nach einer Woche vorbei ist, noch ein seltsamer Vogel, der in der Woche, die er zum Fliegenlernen braucht, unterhaltsam herumstolpert.
„Wochentölpel“, oder auch „Wochendippel“, war bis ins 19. Jahrhundert eine ziemlich gehässige Bezeichnung für „Mumps“, da diese Krankheit etwa eine Woche andauerte und die Kranken mit ihren geschwollenen Hälsen solange wie Idioten aussahen. Nett, nicht wahr? Früher war eben doch nicht alles besser.

Das Wort des Monats – Der Erlkönig

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Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es sind Übersetzer, sie fliehen geschwind.

An denen liegt es nämlich, dass sich Schulklassen seit Generationen fragen müssen, was an einem Baumkönig eigentlich so furchteinflößend ist und weshalb der es überhaupt auf einen kleinen Jungen abgesehen hat. Mein Freund der Baum kriegt da eine entschieden finstere Seite.
Ein Blick in die Vergangenheit hilft weiter: Der Erlkönig war ursprünglich ein niederdeutscher „elle(r)konge“, und dadurch kam das Missverständnis erst zustande. „Eller“ bedeutete „Erle“, war hier aber gar nicht gemeint. Bei der Übertragung ins Hochdeutsche wurde übersehen, dass das Wort eigentlich mit dem dänischen „ellekonge“ verwandt ist, und damit lässt sich das Rätsel auflösen:
Der Erlkönig ist eigentlich ein Elfenkönig.

Das Wort des Monats – Estragon

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Estragon, das harmlos und unschuldig wirkende Gewürz, hat feurigere Verwandte, als man gemeinhin annehmen würde. Sein heutiger Name stammt aus dem Französischen, daher lässt sich seine Herkunft nicht mehr ganz so leicht nachvollziehen. Die ältere deutsche Bezeichnung lautete „Dragon“, und was man bei dieser Schreibung vermutet, ist tatsächlich vollkommen richtig. Sowohl „Dragon“ als auch „Estragon“ sind über das Arabische „ṭarḫūn“ aus dem Griechischen zu uns gekommen. Da hieß es „drákōn“, „Drache“.
Wie die Griechen darauf gekommen sind, ein Küchenkraut so zu nennen, bleibt allerdings im Dunkeln.

Das Wort des Monats – Die Klamm

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Seit Helm kennt sie jeder, zumindest jeder fleißige Kinogänger. Aber was genau ist eigentlich eine Klamm?
Da könnte man zunächst an etwas Feuchtkaltes denken, die Festung im Herrn der Ringe ist ja recht düster und wenig heimelig. Das Adjektiv „klamm“ bedeutet allerdings nicht „feuchtkalt“, sondern „steifgefroren“. Wie das Substantiv kommt es von „klemmen“, und damit kommen wir der Sache näher. „Klemmen“ bedeutete ursprünglich „zusammendrücken“ oder „zusammenkrampfen“. Das entsprechende Substantiv hierzu, das mittelhochdeutsche „klam“, stand für „Fessel, Krampf“ oder „Beklemmung“. Die Klamm war also irgendwann einmal eine Enge oder eine Klemme.
Bis zum 11. Jh. Erhielt sie dann ihre heutige Bedeutung: Felsschlucht mit Wildwasser. Wo das Wasser plötzlich herkam? Tja, die Wege der Wörter bleiben manchmal unergründlich.